Ein Modell wie beispielsweise GPT-4 kann auf Basis von Trainingsdaten das nächste Wort in einem Text vorhersagen und so eine Antwort liefern. Ein KI-Agent hingegen nutzt ein solches Sprachmodell als Reasoning-Engine, ergänzt es aber um Tool-Zugriff, Gedächtnis, Planung und mehrere Handlungsschritte, um Aufgaben eigenständig abzuschließen. Der entscheidende Unterschied liegt somit darin, ob ein System nur antwortet oder tatsächlich handelt und nicht in der Intelligenz des Modells.
Die Frage „Was brauchen wir eigentlich, LLM oder KI-Agent?“ hören wir aktuell in fast jedem Erstgespräch, in dem es um die KI-Automatisierung geht. Im Markt bleibt die übliche Antwort meist bei Schlagwörtern stehen. Agenten klingen moderner, autonomer und zukunftssicherer. Nur beantwortet das nicht die eigentliche Frage. Wichtig ist, welches System Ihr konkretes Problem lösen kann, ohne dass Sie für Komplexität bezahlen müssen, die Sie gar nicht brauchen.
Wir bauen in unseren Projekten regelmäßig beides. Einerseits einfache LLM-Workflows für klar abgrenzbare Aufgaben und andererseits vollständige Agentensysteme mit Tool-Anbindung und zwar dort, wo Prozesse es wirklich erfordern. Lassen Sie uns beide Ansätze genauer unter die Lupe nehmen.
Was ist ein LLM und was ein KI-Agent?
Ein LLM (Large Language Model) ist im Kern ein Modell zur Textgenerierung. GPT-4 von OpenAI ist beispielsweise ein Transformer-basiertes Modell, das darauf trainiert ist, das nächste Wort in einem Dokument vorherzusagen. Das Modell nimmt einen Input entgegen, verarbeitet ihn auf Basis seines gelernten Sprach- und Weltwissens und gibt dann Text als Output zurück. Mehr passiert bei einem reinen Sprachmodell zunächst nicht.
Ein KI-Agent ist dagegen keine Modellvariante, sondern ein Anwendungssystem, das um ein Sprachmodell herum gebaut wird. OpenAI beschreibt Agenten als Anwendungen, die planen, Tools aufrufen, mit Spezialisten zusammenarbeiten und genug Zustand halten können, um mehrstufige Arbeiten abzuschließen (OpenAI, Agents SDK Dokumentation). Anthropic zieht dieselbe Grenze aus einer anderen Richtung. Workflows folgen vordefinierten Codepfaden, während Agenten ihre Prozesse und ihre Tool-Nutzung dynamisch selbst steuern können.
Für eine schnelle Orientierung lohnt sich der direkte Vergleich der Grundeigenschaften:
| Merkmal | LLM (Sprachmodell) | KI-Agent (Anwendungssystem) |
| Kernfunktion | Text- und Sprachgenerierung | Planung, Tool-Nutzung, mehrstufige Aufgabenerledigung |
| Architekturebene | Modell | Modell plus Tools, Speicher und Kontrolllogik |
| Braucht Systemzugriff | Meist nicht | Ja, für Datenbanken, APIs oder externe Tools |
| Stand Mitte 2026 | Breit produktiv im Einsatz | Überwiegend Pilot- und frühe Skalierungsphase |
| Typisches Beispiel | Text zusammenfassen, übersetzen, formulieren | Retouren automatisch prüfen und im ERP-System auslösen |
Wichtig für das Verständnis ist, dass ein Agent das LLM nicht ersetzt, sondern darauf aufbaut. Das Sprachmodell bleibt Entscheidungskomponente, die festlegt, welches Tool mit welchen Parametern aufgerufen wird und ob ein weiterer Schritt nötig ist. Erst Tool-Calling, Speicher, Kontrolllogik und Monitoring machen aus diesem Reasoning ein produktives Agentensystem.
Gebündelt betrachtet setzt sich ein KI-Agent aus vier zentralen Bestandteilen zusammen:
| Bestandteil | Aufgabe |
| LLM | Steuert die zentrale Logik und entscheidet, welche Aktion als Nächstes folgt |
| Tools | Ermöglichen Zugriff auf externe Systeme, APIs, Datenbanken oder Code-Ausführung |
| Planning | Zerlegt komplexe Ziele in konkrete, ausführbare Teilschritte |
| Memory | Speichert Kontext und Zwischenergebnisse für nachfolgende Schritte |
Die Architektur im Vergleich: Modellantwort vs. Agentenlauf
Der wichtigste Unterschied liegt nicht in einem besseren Modell, sondern in der Struktur des Ablaufs. Ein LLM-Aufruf ist ein einzelner Schritt, bei dem die Anfrage rein- und der Text rauskommt. Ein Agentenlauf hingegen ist eine Schleife.
Wie ein KI-Agent tatsächlich denkt
Ein KI-Agent durchläuft mindestens drei Schritte pro Aufgabe: Denken, Handeln und Beobachten. Im Denkschritt wird die Anfrage vom zugrunde liegenden Sprachmodell in Teilziele zerlegt und ein Handlungsplan erstellt. Im Handlungsschritt generiert es entweder Text oder löst einen Tool-Aufruf aus. Dabei lädt er in der Regel nicht alle verfügbaren Tools gleichzeitig, sondern wählt die, die situativ zum aktuellen Schritt passen. Ein zu volles Kontextfenster würde hier die Antwortqualität eher verschlechtern anstatt sie zu verbessern.
Schließlich wird im Beobachtungsschritt geprüft, ob das Ergebnis passt. Bei komplexeren Aufgaben, beispielsweise bei Programmier-Agenten, wiederholt sich diese Schleife mehrfach, bis das Ziel erreicht wird. Das wissenschaftliche Vorbild dafür ist ReAct, kurz für die englischen Begriffe „Reasoning“ und „Acting“, also Denken und Handeln. Dabei erzeugt das Sprachmodell abwechselnd Gedankenschritte und Handlungen und macht dadurch weniger Fehler als es bei reinem Vordenken ohne Zwischenschritte der Fall wäre.
Warum KI-Agenten ein Protokoll wie MCP brauchen
Damit ein Agent überhaupt an Datenbanken, Programmierschnittstellen (APIs) oder interne Systeme kommen kann, braucht er zunächst eine standardisierte Schnittstelle. In der Praxis läuft das über das Model Context Protocol, kurz MCP. Man kann sich MCP wie den USB-C-Standard vorstellen, nur für KI-Agenten. Anstatt jede Verbindung zwischen System und Agent einzeln zu programmieren, bündelt man mehrere Funktionen in einem MCP-Server und implementiert sie nur einmal. Mehrere Agenten können anschließend auf denselben Server zugreifen und sich die passenden Tools ziehen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Service-Agent soll prüfen, ob ein Kunde bereits ein offenes Ticket hat. Über MCP ermittelt der Agent selbstständig, dass ihm ein passendes Tool zur Verfügung steht, schickt die Kundennummer an dieses Tool und erhält das bereits eröffnete Ticket zurück. Das funktioniert ohne dass ein Mensch die Abfrage manuell auslösen musste.
Neben Datenbanken und APIs zählen auch der Browser-Zugriff und die Ausführung von Code zu den gängigen Tool-Kategorien, mit denen sich ein Agent an externe Systeme anbinden kann. Zusätzlich lässt sich ein Agent über eigene, unternehmensspezifische Datensätze von einem generischen Sprachmodell zu einem domänenspezifischen Experten weiterentwickeln, während organisatorische Regeln, Rollen und Einschränkungen (Constraints) festlegen, in welchem Rahmen er überhaupt selbstständig handeln darf.
LLM vs. KI-Agent: Die wichtigsten Unterschiede im Detail
Die folgende Tabelle bündelt die Dimensionen, an denen sich in der Praxis entscheidet, ob ein Prozess ein einfaches Sprachmodell oder ein vollständiges Agentensystem braucht.
| Kriterium | LLM | KI-Agent |
| Tool-Nutzung | Optional, Anwendung führt Aufrufe manuell aus | Zentrales Muster, Agent plant und ruft Tools mehrfach selbst auf |
| Gedächtnis | Kontextfenster oder manuell übergebene Historie | Dauerhafte Sitzungen, Gedächtnisdateien, gespeicherter Zustand über mehrere Durchläufe hinweg |
| Planung | Schrittweises Vordenken innerhalb einer Antwort | Denken und Handeln wiederholt miteinander verschränkt, echte mehrstufige Abläufe |
| Mehrere Agenten gleichzeitig | Nicht vorgesehen, externe Koordination nötig | Übergaben, Aufgabenteilung und spezialisierte Sub-Agenten als Kernkonzept |
| Autonomiegrad | Antwortet auf Eingabe, keine eigenständigen Folgeaktionen | Kann Hintergrundprozesse auslösen und mehrere Schritte fortsetzen |
| Menschliche Kontrolle | Manuelle Freigabe außerhalb des Modells | Freigabeprozesse, Sicherheitsregeln und Prüfprotokolle als Systembestandteil |
Wie diese Fähigkeiten in der Praxis aussehen, zeigen einzelne Anbieter sehr konkret. Anthropic beschreibt sein Memory-Tool als Möglichkeit für Claude, Informationen über mehrere Gespräche hinweg in Gedächtnisdateien zu speichern und bei Bedarf wieder abzurufen. Microsoft Copilot Studio führt zudem sogenannte Connected Agents ein, mit denen spezialisierte Aufgaben gezielt an andere Agenten delegiert werden können.
Nicht agentischer Workflow vs. agentischer Workflow
Der greifbarste Unterschied zeigt sich am Beispiel einer Kundenretoure. Ein nicht agentischer LLM-Workflow folgt einer festen Reihenfolge. Schritt eins generiert einen Text, Schritt zwei verbessert ihn und danach kommt der finale Output. Es gibt keine Verzweigung und keine eigenständige Entscheidung, nur eine Kette fester Schritte.
Ein agentischer Workflow läuft anders. Bekommt ein Agent die Anfrage „Kannst du meine letzte Bestellung retournieren?“, lädt er zunächst den Kundenkontext über ein Datenbank-Tool, prüft anschließend, ob die Anfrage den hinterlegten Retourenrichtlinien entspricht, und löst erst danach über einen weiteren Tool-Aufruf das Versandlabel im ERP-System aus. Passt die Anfrage nicht zur Richtlinie, bricht der Agent ab oder fragt gezielter nach. Genau das unterscheidet einen Agenten von einer festen Sequenz, weil er nicht-deterministische Entscheidungen trifft und je nach Zwischenergebnis zurückspringen, abbrechen oder direkt weitermachen kann.
Schritt für Schritt zeigt sich das am Beispiel der Retoure so:
| Schritt | Was passiert |
| 1. Anfrage verstehen | Der Agent erkennt: Es geht um die Retoure der letzten Bestellung |
| 2. Informationen abrufen | Bestellung prüfen, Retourenrichtlinie lesen |
| 3. Entscheidung treffen | Passt die Bestellung zur Richtlinie? |
| 4. Aktion ausführen | Retourenprozess starten, Versandlabel erstellen |
| 5. Antwort geben | Kunde erhält Bestätigung und Versandlabel |
Expertentipp von Laurenz, CTO bei Datasolut: In unseren Projekten sehen wir häufig, dass Teams einen Prozess als „Agent“ bezeichnen, obwohl er in Wahrheit eine feste Abfolge von zwei bis drei Schritten ist. Fragen Sie sich vor jedem Projekt, ob das System zwischen mehreren Optionen selbst entscheiden muss und dafür verschiedene Tools ansteuert. Falls nicht, sparen Sie sich Agenten-Komplexität und bauen einen klassischen LLM-Workflow.
Weitere Einsatzszenarien für KI-Agenten aus der Praxis
Über die Retoure hinaus setzen wir KI-Agenten unter anderem für folgende Aufgaben ein:
- Intelligentes Dokumentenprocessing, bei dem der Agent nicht nur zusammenfasst, sondern aus extrahierten Daten direkt weitere Prozesse anstößt
- Knowledge Assistants, die über Retrieval Augmented Generation auf unternehmensinterne PDF-Dokumente und Wissensdatenbanken zugreifen
- Die Kombination aus klassischem Machine Learning und Agenten, beispielsweise wenn ein Scoring-Modell in Echtzeit eine Bewertung liefert und der Agent auf Basis dieses Ergebnisses den nächsten Schritt auslöst
- Analyseassistenten, die Datensätze interaktiv auswerten, Auffälligkeiten erkennen, Reports erstellen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten, wie bei der Analyse von Vertragsdokumenten und dem Abgleich von Schadensfällen.
Stärken und Schwächen von LLMs und KI-Agenten
Die Stärken und Schwächen eines reinen Large Language Models
Stärken:
- Schnelle, günstige Ausführung ohne zusätzlichen Denkaufwand
- Einfach zu testen und zu debuggen, da der Ablauf festgelegt ist
- Ausgereift und breit produktiv im Einsatz, kaum technisches Neuland
- Ideal für wiederkehrende Aufgaben wie Zusammenfassungen, Übersetzungen, strukturierte Templates oder einfache Content-Erstellung
Schwächen:
- Kein eigenständiger Zugriff auf externe Systeme oder aktuelle Daten
- Keine Möglichkeit, mehrstufige, situationsabhängige Entscheidungen zu treffen
- Bei komplexen Prozessen muss die gesamte Logik außerhalb des Modells vorprogrammiert werden
Die Stärken und Schwächen eines KI-Agenten
Stärken:
- Kann mehrstufige, nicht-deterministische Prozesse eigenständig durchlaufen
- Bindet Tools, APIs und Datenbanken direkt in den Entscheidungsprozess mit ein
- Passt sich innerhalb eines Laufs an neue Zwischenergebnisse an
Schwächen:
- Befindet sich deutlich unter der menschlichen Zuverlässigkeit bei realistischen Aufgaben. Der OSWorld-Benchmark (2024) zeigt für hunderte reale Computeraufgaben eine erhebliche Lücke zwischen menschlicher Leistung und der besten getesteten KI-Lösung.
- Auch bei komplexen, realen Webaufgaben liegt die Erfolgsquote von KI-Agenten laut dem WebArena-Benchmark (2023) deutlich unter dem menschlichem Niveau.
- Fehlerfortpflanzung kann ebenfalls kritisch werden, weil ein falscher Zwischenschritt nicht nur eine falsche Antwort erzeugt, sondern eine falsche Systemaktion auslösen kann.
Diese Ergebnisse sind zwar kein Grund, auf KI-Agenten zu verzichten, aber sie sind ein guter Grund, sie nicht unkontrolliert in kritische Prozesse zu entlassen. Sicherheitsregeln, Freigabeprozesse und Überwachung sind bei Agenten kein optionales Extra, sondern eine Grundvoraussetzung.
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Kosten und Aufwand im Vergleich
LLM-Workflows sind relativ einfach, günstig und schnell in der Ausführung, weil sie mit vergleichsweise günstigen Modellen und ohne aufwendiges Nachdenken des Modells auskommen. KI-Agenten sind teurer und deutlich schwieriger zu bauen, weil sie leistungsfähigere Denkmodelle, eine Tool-Infrastruktur, Überwachung und Governance-Strukturen benötigen, bevor sie überhaupt produktiv laufen können.
Wie real dieses Kostenrisiko ist, zeigt die aktuelle Marktentwicklung. Laut McKinsey (2025) experimentieren zwar 62 Prozent der befragten Organisationen bereits mit KI-Agenten, aber nur 23 Prozent skalieren ein solches System irgendwo im Unternehmen produktiv. Zusätzlich rechnet Gartner damit, dass über 40 Prozent der Agentic-AI-Projekte bis Ende 2027 wieder eingestellt werden. Gründe dafür sind steigende Kosten, unklarer geschäftlicher Nutzen und unzureichenden Risikokontrollen.
Diese Einschätzung deckt sich mit unserer Projekterfahrung. Ein häufiger Fehler, den wir sehen, ist ein Prozess, der als Agentenprojekt gestartet wird, obwohl ein deutlich günstigerer LLM-Workflow gereicht hätte. Forrester warnt zusätzlich davor, dass Unternehmen häufig scheitern, wenn sie ambitionierte agentische Architekturen komplett in Eigenregie bauen, statt auf erprobte Muster zurückzugreifen. Wer neu in dieses Feld einsteigt, sollte deshalb nicht mit der teuersten Lösung starten, sondern mit der Lösung, die zum tatsächlichen Prozess passt.
Entscheidungshilfe: Wann LLM und wann KI-Agent?
Weil „es kommt darauf an“ niemandem bei der nächsten Projektentscheidung hilft, folgt nun eine klare Wenn-dann-Logik:
| Ihre Situation | Empfehlung | Begründung |
| Sie wollen Texte zusammenfassen, übersetzen oder umschreiben, ohne Systeme anzusteuern | LLM-Workflow | Reine Sprachaufgabe ohne externe Aktion, ein Modellaufruf reicht |
| Ihr Prozess folgt festen, vorhersehbaren Schritten wie Text generieren, dann prüfen | LLM-Workflow | Deterministische Sequenz, günstiger und leichter zu testen als ein Agent |
| Ihr Prozess muss mehrere Systeme oder Datenbanken abfragen und darauf reagieren | KI-Agent | Tool-Orchestrierung und Zwischenentscheidungen erfordern einen Agentenlauf |
| Ihr Team hat noch keine Erfahrung mit Überwachung, Sicherheitsregeln oder Freigabeprozessen | Zuerst LLM-Workflow | Die meisten Unternehmen haben laut Deloitte noch keine ausgereifte Governance für Agentic AI, ohne diese Basis sind Agenten ein Risiko |
| Ihr Prozess erfordert nicht-deterministische Entscheidungen wie Richtlinien-Prüfungen vor einer Aktion | KI-Agent | Klassisches Beispiel wie die Retourenprüfung, feste Sequenzen scheitern hier schnell |
| Sie wollen zunächst risikoarm testen, bevor Sie skalieren | LLM-Workflow als Pilot, danach Agent | Passt zur beobachteten Marktrealität: 62 Prozent experimentieren, nur 23 Prozent skalieren bereits |
Lassen sich LLM-Workflows und KI-Agenten kombinieren?
Ja, das ist sogar der Regelfall. Ein KI-Agent enthält immer ein Large Language Model als Entscheidungskern, insofern ist die Frage nicht „LLM oder Agent“, sondern „reicht ein einzelner Modellaufruf oder brauche ich die volle Agentenschleife“. Viele unserer Projekte starten deshalb ganz bewusst als einfacher LLM-Workflow für einen klar abgegrenzten Teilschritt, beispielsweise die Zusammenfassung eines Anrufs. Sie werden erst dann zum Agenten ausgebaut, wenn die Anforderungen es wirklich erfordern, beispielsweise wenn die Zusammenfassung zusätzlich automatisch ein Ticket im CRM anlegen soll.
Auch innerhalb eines einzelnen Agenten kommen häufig reine LLM-Aufrufe für Teilaufgaben zum Einsatz, zum Beispiel wenn ein Agent zunächst eine Anfrage klassifiziert, bevor er entscheidet, welches Tool er als Nächstes braucht. Wer klein mit einem Workflow anfängt und Agenten-Komplexität nur dort hinzufügt, wo sie einen echten Mehrwert bietet, kann genau das Risiko reduzieren, das Gartner und Forrester für einen Großteil der aktuell gescheiterten Projekte verantwortlich machen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Für ein Handelsunternehmen mit über 60.000 Produkten haben wir einen Chatbot auf Basis von generativer KI entwickelt, der Vertriebsmitarbeitende bei der Produktsuche unterstützen kann. Intern wurde das Tool als „Sales Support Agent“ bezeichnet, technisch ist es aber ein LLM mit RAG-Ansatz (Retrieval Augmented Generation). Dieses LLM speichert Produktbeschreibungen als Embeddings in einer Vektor-Datenbank und sucht bei einer Anfrage die passenden Treffer heraus, die es dann in natürlicher Sprache präsentiert.
Der Ablauf folgt dabei drei festen Schritten: Datenaufbereitung, Anreicherung mit Metadaten und zuletzt die produktive Modellnutzung. Es gibt weder eigenständigen Tool-Aufrufe noch Verzweigungen und keine mehrstufigen Entscheidungen, also genau die Struktur eines LLM-Workflows und nicht die eines Agenten.
Das Ergebnis rechtfertigt trotzdem den Aufwand, da die Antwortzeit pro Kundenanfrage von 15 bis 30 Minuten auf 2 bis 5 Minuten gesunken ist. Das entspricht bis zu 86 Prozent weniger Zeitaufwand, bei einem Produktkatalog mit über 60.000 Artikeln. Dieses Projekt zeigt, dass ein sauber gebauter LLM-Workflow oft mehr Wirkung erzielen kann als ein unnötig komplexer Agent. Mehr zu unserer Case Study finden Sie hier.
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Fazit
LLMs sind die generative Basis und KI-Agenten die produktiven Anwendungssysteme, die aus dieser Basis eigenständig handelnde Prozesse machen können. Aus Perspektive der Projektpraxis raten wir dazu, zuerst mit einem einfachen, gut getesteten LLM-Workflow zu starten und dann die Agenten-Komplexität nur dort zu ergänzen, wo Tool-Orchestrierung und Verzweigungen wirklich nötig sind. So lässt sich der Großteil der Projekte vermeiden, die an Kosten, unklarem Nutzen oder fehlender Governance scheitern.
Tools, Frameworks und Benchmarks entwickeln sich in diesem Feld weiterhin schnell. Deshalb lohnt es sich, die eigene Architekturentscheidung in sechs bis zwölf Monaten erneut zu überprüfen. Wenn Sie unsicher sind, auf welcher Seite Ihr konkreter Anwendungsfall steht, klären wir das gemeinsam in einem unverbindlichen Erstgespräch.
Lassen Sie uns sprechen und Ihr Potenzial entdecken.
Ob und wie künstliche Intelligenz Ihnen weiterhelfen kann, können Sie in einem ersten, unverbindlichen Gespräch mit uns herausfinden.
In diesem Gespräch erfahren Sie:
- Wie Ihr Use-Case technisch am besten umgesetzt werden kann
- Wie wir maximal sicher mit Ihren Kundendaten umgehen
- Wie lange wir für die Umsetzung benötigen und wie ein konkreter Projektplan aussehen könnte
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu LLM und KI-Agenten
Ein LLM ist ein Sprachmodell, das auf eine Eingabe eine Textantwort erzeugt und danach fertig ist. Ein KI-Agent ist eine Anwendung, die dieses Sprachmodell als Entscheidungskomponente nutzt, aber zusätzlich Tools aufruft, Zwischenergebnisse speichert und mehrere Schritte eigenständig plant, bis eine Aufgabe abgeschlossen ist. Der Unterschied liegt also in der Systemarchitektur um das Modell herum und nicht im Modell selbst. In unseren Projekten ist diese Unterscheidung der erste Punkt, den wir mit Kunden klären, bevor wir über Technologie sprechen, weil sie direkt bestimmt, wie aufwendig und teuer eine Lösung wird.
Ein LLM reicht aus, wenn die Aufgabe im Kern aus Eingabe und Textausgabe besteht, wie Zusammenfassungen, Übersetzungen oder Klassifikationen ohne Zugriff auf externe Systeme. Ein Agent wird dann nötig, sobald ein Prozess mehrere Systeme ansteuern, Zwischenergebnisse bewerten und darauf basierend eigenständig weitere Schritte einleiten muss. Typische Agenten-Szenarien sind automatisierte Retourenprüfungen, Support-Workflows mit Systemzugriff oder Prozesse, die über mehrere Abteilungen und Datenquellen hinweg laufen. Prüfen Sie vor jedem Projekt konkret, ob eine feste Schrittfolge ausreicht oder ob echte Verzweigungen und Tool-Aufrufe nötig sind.
Ja, in aller Regel deutlich. Agenten benötigen leistungsfähigere Denkmodelle, zusätzliche Infrastruktur für die Tool-Anbindung und Überwachung sowie Governance-Prozesse, die bei einfachen LLM-Workflows entfallen. Gartner rechnet deshalb damit, dass über 40 Prozent der aktuell gestarteten Agentic-AI-Projekte bis Ende 2027 wieder eingestellt werden, zum Beispiel weil die Kosten den tatsächlichen Nutzen übersteigen. In unseren Projekten sehen wir zudem laufende Folgekosten, die zu Beginn oft unterschätzt werden, etwa für Monitoring, Nachjustierung von Prompts und die Pflege der Tool-Anbindungen. Am besten beginnen Sie erst mit dem günstigsten System, das Ihren Prozess zuverlässig löst, und erweitern Sie erst bei Bedarf um Agenten-Komplexität.
MCP steht für Model Context Protocol und ist eine standardisierte Schnittstelle, über die KI-Agenten auf externe Systeme wie Datenbanken oder APIs zugreifen. Man kann es sich wie den USB-C-Standard vorstellen, nur für KI-Agenten: Statt jede Verbindung individuell zu programmieren, bündelt ein MCP-Server mehrere Funktionen und stellt sie mehreren Agenten gleichzeitig zur Verfügung. Das reduziert doppelte Entwicklungsarbeit erheblich und macht es einfacher, neue Agenten an bestehende Systeme anzubinden, ohne jedes Mal von vorne anzufangen. Für Unternehmen bedeutet das, dass ein einmal gebauter MCP-Server für zum Beispiel das CRM oder ERP-System sich für mehrere zukünftige Agenten-Projekte wiederverwenden lässt, statt für jeden neuen Anwendungsfall eine eigene Integration zu entwickeln.
Starten Sie nicht mit dem komplexesten Prozess, sondern mit einem klar abgegrenzten Anwendungsfall, bei dem sich der Erfolg einfach messen lässt. In den meisten unserer Projekte beginnt das mit einem einfachen LLM-Workflow für eine Teilaufgabe, wie eine automatisierte Zusammenfassung, bevor wir schrittweise Tool-Zugriff und Entscheidungslogik ergänzen. Das deckt sich auch mit der Marktrealität. Laut McKinsey experimentieren zwar 62 Prozent der Unternehmen bereits mit Agenten, aber nur 23 Prozent haben ein System tatsächlich skaliert. Ein gestufter Einstieg reduziert demnach genau das Risiko, an dem ein Großteil der aktuellen Projekte scheitert.